Den Korruptionssumpf der Fifa werden wohl FBI-Agenten trockenlegen. Doch auch intern ist der Weltverband nun bemüht, das Dickicht der Verflechtungen zu entwirren. Im Visier stehen Männer wie Beckenbauer.

Seit eineinhalb Wochen machen US-amerikanische Agenten des FBI und Schweizer Bundesanwälte Jagd auf korrupte Fifa-Funktionäre. Derweil ist ein Ende der eigenen Ermittlungen des Fußball-Weltverbandes zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 weiter nicht in Sicht.

Wie die “Welt” aus Fifa-Kreisen erfuhr, wird die Untersuchung der verbandseigenen Ethikkommission zu Unregelmäßigkeiten vor der Abstimmung über die Austragungsorte am 2. Dezember 2010 aller Voraussicht nach noch bis 2016 dauern. Grund sind laufende Verfahren gegen verdächtige Funktionäre, die sich in die Länge ziehen.

Im November vergangenen Jahres hatte der Ethik-Richter, der Deutsche Hans-Joachim Eckert, einen Zwischenbericht veröffentlicht. Eckert, Richter am Landgericht München, sprach die erfolgreichen WM-Bewerber Russland und Katar auf Basis des Ermittlungsberichts von Michael Garcia von dem Vorwurf frei, vor der Wahl Stimmberechtigte bestochen zu haben.

Garcia, ein ehemaliger US-amerikanischer Staatsanwalt, hatte vor dem Berufungskomitee der Fifa gegen dieses Fazit protestiert – erfolglos. Daraufhin trat er von seinem Posten zurück. Seiner Forderung, den 430-seitigen Ermittlungsbericht vollumfänglich zu veröffentlichen, kam der Verband bislang nicht nach.

Im Dezember 2014 versprach die Fifa, den Bericht “in angemessener Form” zu publizieren, dieser Schritt ist aber auch ein halbes Jahr später noch in weiter Ferne. Zum einen, so heißt es vonseiten der Fifa, müssten erst die eigenen Ermittlungen beendet sein. Zum anderen, so erfuhr die “Welt”, wird die Ethikkommission mit der Veröffentlichung warten, bis auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ihre Untersuchungen zu den WM-Vergaben abgeschlossen hat.

Beckenbauers Aktivitäten bleiben suspekt

Darauf soll sich die Fifa-Ethikkommission mit der Behörde verständigt haben. Auf Anfrage teilte die Bundesanwaltschaft der “Welt” lediglich mit, sie würde die vorzeitige Veröffentlichung des Garcia-Reports durch den Verband “zur Kenntnis nehmen”.

Während die Öffentlichkeit weiter auf Einblicke in die Erkenntnisse von Michael Garcia warten muss, setzt die Fifa-Ethikkommission um Richter Eckert und Chefermittler Cornel Borbély ihre Arbeit fort. Gegen mehrere Funktionäre, die mit über die WM-Austragungsorte abstimmten, laufen wegen möglicher Verstöße gegen das Fifa-Ethikreglement noch Ermittlungsverfahren. Zu den Verdächtigen gehören unter anderen der amtierende Fifa-Vizepräsident Angel María Villar Llona und Franz Beckenbauer, der dem Exekutivkomitee bis zum Jahr 2011 angehörte.

Beckenbauer steht unter anderem wegen einer Reise nach Katar rund ein Jahr vor der Vergabe im Fokus der Ermittler. Außerdem hatte sich der Ehrenpräsident des FC Bayern anfangs geweigert, mit Garcia zu kooperieren, und war deswegen kurz vor der WM 2014 in Brasilien für alle Fußballaktivitäten gesperrt worden. Später beantwortete Beckenbauer die Fragen der Ethikkommission dann doch, die Sperre wurde aufgehoben. Die Ermittlungen gegen den “Kaiser” wurden dennoch nicht eingestellt und laufen nun seit knapp einem Jahr.

Was die Weltmeisterschaften in Russland und Katar selbst angeht, so erklärte die Fifa jüngst, an den Entscheidungen werde nicht mehr gerüttelt – angesichts der noch laufenden Ermittlungen der eigenen Ethikkommission, der Schweizer Bundesanwaltschaft und des FBI eine erstaunliche Haltung.