Die Af­färe um du­biose Geld­flüsse im Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee (OK) der Fuß­ball-​WM 2006 wird vor­erst kein Fall für deut­sche Ge­rich­te. Das Land­ge­richt Frank­furt hat ent­schie­den, die An­klage der Staats­an­walt­schaft gegen drei Ex-​Bosse des Deut­schen Fuß­ball-​Bun­des (DFB) sowie gegen den Ex-​Ge­ne­ral­se­kre­tär des Welt­ver­ban­des Fifa wegen schwe­rer Steu­er­hin­ter­zie­hung zu­rück­zu­wei­sen

Laut Ge­richts­be­schluss, der WELT vor­liegt, gibt es nichts daran aus­zu­set­zen, dass der DFB eine Zah­lung von 6,7 Mil­lio­nen Euro als Be­triebs­aus­gabe an­gab. Auch beim Sta­tus der Ge­mein­nüt­zig­keit des DFB sieht man kei­nen Kor­rek­tur­be­darf. Ge­nauso hat­ten die An­ge­schul­dig­ten Theo Zwan­zi­ger, Wolf­gang Niers­bach und Horst R. Schmidt sowie der Schwei­zer Urs Linsi ar­gu­men­tiert und damit jede Schuld von sich ge­wie­sen. Aus­lö­ser der Er­mitt­lun­gen war im Ok­to­ber 2015 das Be­kannt­wer­den einer Über­wei­sung der WM-​OK-​Bosse in Höhe von 6,7 Mil­lio­nen Euro an die Fifa, pas­siert im April 2005. Die Fifa hatte das Geld auf­trags­ge­mäß an den ehe­ma­li­gen Adi­das-​Chef Ro­bert Louis-​Drey­fus wei­ter­ge­lei­tet und damit eine Schuld von OK-​Prä­si­dent Franz Be­cken­bauer be­gli­chen, ver­schlei­ert als Bei­trag zu einer Fifa-​Kul­tur­ga­la.

Warum Be­cken­bauer über­haupt diese Summe zuvor im Au­gust 2002 von Louis-​Drey­fus be­kom­men hat­te, ist bis heute un­klar. Die­ser be­haup­te­te, er habe das Geld für die Fifa ge­braucht, damit das OK im Um­kehrschluss die 25-​fa­che Summe er­hält. Eine Er­klä­rung, die die Staats­an­walt­schaft für un­wahr hielt und am 17. Mai 2018 An­klage erhob -​ mit der ei­ge­nen In­ter­pre­ta­tion aber wie­derum ein Ei­gen­tor schoss.

In der An­klage hieß es näm­lich, die Be­schul­dig­ten hät­ten ein Pri­vat­dar­le­hen Be­cken­bau­ers zu­rück­ge­zahlt; es war nach An­sicht der Er­mitt­ler also keine Be­triebs­aus­ga­be. Das Land­ge­richt gab den Er­mitt­lern nun Nach­hil­fe: An­ge­sichts der De­kla­rie­rung als Pri­vat­dar­le­hen Be­cken­bau­ers sei es sehr wohl eine Be­triebs­aus­gabe ge­we­sen. Im Be­schluss heißt es: Der mög­li­che Be­triebs­aus­ga­ben­ab­zug schei­tere nicht dar­an, dass die Zah­lung der 6,7 Mil­lio­nen auf un­zu­tref­fen­der Grund­lage (Kul­tur­ga­la) er­folgte und für den tat­säch­li­chen Zah­lungs­grund (Ent­loh­nung von Be­cken­bau­er) keine Gre­mienent­schei­dun­gen vor­la­gen.

Bei der Frage der steu­er­li­chen Ab­setz­bar­keit einer Zah­lung ge­nüge es, wenn die Zah­lung ob­jek­tiv mit dem Ge­schäfts­be­trieb des OK zu­sam­men­hän­ge, so die Rich­ter. Die Ex-​DFB-​Bosse haben also ge­trickst und ver­schlei­ert -​ aber eine Steu­er­straf­tat war es nicht. Die­ser Be­schluss kas­siert wohl auch eine Ent­schei­dung des Fi­nanz­amts: Das hatte 2017 die Ab­set­zung der 6,7 Mil­lio­nen als nicht rech­tens ein­ge­stuft, dem DFB für 2006 die Ge­mein­nüt­zig­keit ab­er­kannt und 19,2 Mil­lio­nen Euro Steu­er­nach­zah­lung ge­for­dert. Der DFB zahl­te, legte aber Wi­der­spruch ein. Im Be­schluss heißt es nun, der Sta­tus der Ge­mein­nüt­zig­keit sei nie ent­fal­len. Damit dürfte der DFB das Geld zu­rück­er­hal­ten. Die Staats­an­walt­schaft hat eine Woche Zeit, Be­schwerde beim OLG Frank­furt ein­zu­le­gen.

erschienen in WELT am 16. Oktober 2018