Der Weltverband hat seiner Generalsekretärin die Reinigung ihrer Wohnung bezahlt. Warum? Als es herauskam, überwies sie das Geld heimlich zurück.

Am Don­ners­tag war der Him­mel über Ma­na­ma wol­ken­los, die Au­ßen­tem­pe­ra­tur be­trug 39 Grad. Und im Mes­se­zen­trum der Haupt­stadt Bah­rains über­tra­fen die Mäch­ti­gen der Fifa die Son­ne im Blen­den.

Es war der jähr­li­che Kon­gress des Fuß­ball­welt­ver­bands, und Prä­si­dent Gi­an­ni In­fan­ti­no be­haup­te­te, die neue Füh­rung baue die Glaub­wür­dig­keit der Fifa wie­der auf. Ne­ben ihm saß die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Fat­ma Sa­mou­ra und lä­chel­te viel an die­sem Tag. Sie ist Se­ne­ga­le­sin, hat vor­her für die Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­ar­bei­tet. Nach Jah­ren vol­ler Lug und Trug, Gier und Grö­ßen­wahn im Fuß­ball stand die In­thro­ni­sie­rung ei­ner Au­ßen­ste­hen­den für ein neu­es Zeit­al­ter. Das war zu­min­dest der Plan.

Nun steckt Sa­mou­ra selbst im Fifa-Schla­mas­sel. Der Ver­band hat­te Rei­ni­gungs­kos­ten in fünf­stel­li­ger Höhe für die Pri­vat­woh­nung sei­ner Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin über­nom­men. Erst von der Fifa en­ga­gier­te Wirt­schafts­prü­fer stie­ßen auf die­se Trans­ak­tio­nen. Als Kon­trol­leu­re Sa­mou­ra dar­auf an­spra­chen, zahl­te sie das Geld still und heim­lich an die Fifa zu­rück.

Ist die Putz­af­fä­re Nach­läs­sig­keit der neu­en Frau an der Spit­ze? Oder ein Fall von Un­treue, also ein Skan­dal?

Mit­te Au­gust ver­gan­ge­nen Jah­res hat­te Sa­mou­ra in Zü­rich eine Woh­nung be­zo­gen. Sie be­auf­trag­te die Fir­ma SCJ mit der Rei­ni­gung. SCJ pflegt seit Jah­ren die Fifa-Im­mo­bi­li­en, der Ver­band war ein­zi­ger Kun­de; mit Sa­mou­ra schloss SCJ ei­nen zu­sätz­li­chen Ver­trag. Fünf­mal pro Wo­che putz­ten Mit­ar­bei­ter zwei Stun­den täg­lich, für 28 Schwei­zer Fran­ken die Stun­de, 1200 Fran­ken im Mo­nat. Bis Ende 2016 hät­ten die Kos­ten bei rund 5000 Schwei­zer Fran­ken lie­gen müs­sen – da­bei blieb es nicht.

An­fang des Jah­res un­ter­such­ten Wirt­schafts­prü­fer von PwC die Zu­sam­men­ar­beit mit der Rei­ni­gungs­fir­ma, sie stell­ten fest, dass SCJ wei­te­re Stun­den in Rech­nung ge­stellt hat­te, etwa 1000 ins­ge­samt, Ex­tra­kos­ten: be­acht­li­che 28 183 Schwei­zer Fran­ken. Nur: Be­gli­chen hat­te die­se Rech­nun­gen die Fifa, nicht Sa­mou­ra. In der Ver­bands­zen­tra­le hiel­ten sie den Ball ge­wohnt flach. Im Fifa-Fi­nanz­be­richt 2016 wird die Sa­che sei­tens PwC gar nicht er­wähnt. Of­fen­bar in­for­mier­te ein PwC-Prü­fer Sa­mou­ra per­sön­lich über den Fund. Die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin über­wies dar­auf­hin am 27. April der Fifa das Geld zu­rück.

Nie­mand in­for­mier­te die Fifa-Kon­troll­or­ga­ne wie die Au­dit- und Com­p­li­an­ce-Kom­mis­si­on. To­maž Ve­sel, Au­dit-Chef, er­fuhr erst vom SPIEGEL da­von. Er will sich nun in­for­mie­ren und mahnt be­reits an: „Grund­sätz­lich wür­de ich es nicht als op­ti­ma­les Ver­fah­ren für Fifa-An­ge­stell­te emp­feh­len, dass sie per­sön­li­che Ver­trä­ge mit Fifa-Part­nern und Dienst­leis­tern ha­ben.“

Auch Fifa-Leu­te, die von der Sa­che er­fuh­ren, wun­der­ten sich über die Füh­rungs­rie­ge: War es an­ge­sichts ver­gan­ge­ner Skan­da­le nicht un­be­dingt not­wen­dig, be­denk­li­che Geld­flüs­se pe­ni­bel auf­zu­ar­bei­ten?

In­tern be­teu­ert Sa­mou­ra, sie habe nicht be­merkt, dass SCJ mehr als zehn Wo­chen­stun­den ge­putzt habe – der Rech­nung zu­fol­ge etwa 50 Stun­den mehr. Auch habe sie nicht ge­wusst, dass die Fifa da­für auf­ge­kom­men sei. Ge­gen­über dem SPIEGEL be­teu­ert sie ihre Un­schuld, will aber kei­ne Stel­lung­nah­me ab­ge­ben. Die Fifa sagt, sie über­prü­fe nur die Jah­res­ab­schluss­rech­nung, vor­her wür­den die Rech­nun­gen be­gli­chen. SCJ je­den­falls weist jede Schuld von sich. Auf An­fra­ge er­klärt die Ge­schäfts­füh­re­rin, man habe die „ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen in je­der Hin­sicht ein­ge­hal­ten“.

Pi­kant ist, dass in Bah­rain Sa­mou­ra und In­fan­ti­no be­son­ders da­mit be­schäf­tigt wa­ren, die Chefs der Ethik­kom­mis­si­on zu schas­sen. Sie hat­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren et­li­che Schur­ken aus dem Fuß­ball ver­bannt. Nun sind wei­te­re Un­ter­su­chun­gen, un­ter an­de­rem ge­gen In­fan­ti­no selbst, ab­rupt ge­stoppt.

erschienen in DER SPIEGEL am 13. Mai 2017